Graphic Novel

I GOT RHYTHM –

Das Leben des Jazzgitarristen und Holocaustüberlebenden Coco Schumann

Coco Schumann

 

„I got Rhythm - Das Leben des Jazzgitarristen und Holocaustüberlebenden Coco Schumann“

 

Eine Graphic Novel von Caroline Gille und Niels Schröder

 

be.bra verlag, Berlin 2014.

ISBN: 978-3-89809-111-4

 


Die Kindheit Coco Schumanns wurde durch das christlich-jüdische Elternhaus geprägt. Die Familie pflegte sowohl christliche, wie auch jüdische Traditionen, wobei sie nicht übermäßig religiös ausgerichtet war. Es war eine große Familie, die über die ganze Stadt verteilt lebte und sie war fest in Berlin verankert. Im Elternhaus wird gern Musik gehört, die Eltern tanzen zu Grammophonplatten. Der junge Heinz Schumann entdeckt schon früh die Jazzmusik für sich und erste Kontakte zur Berliner Swing-Jugend entstehen. Er taucht ein, in diese lebenslustige Gegenwelt, die ständige Bedrohung durch die Gestapo ist aber jederzeit spürbar. Die Machtergreifung Adolf Hitlers 1933 ist im letzten Bild dargestellt – Angehörige der SA feiern den Sieg der NSDAP durch einen Aufmarsch in den Straßen Berlins. 

 

Rund 15 Monate war Coco Schumann inhaftiert, zunächst im Konzentrationslager Theresienstadt, später in Auschwitz, zuletzt in einem Außenlager von Dachau. Er überlebte das Vernichtungslager, indem er für die Wachmannschaften musizierte. Er selbst sprach später öfter von seinem Schutzengel, der nach Auschwitz vorausgeflogen war, um ihn dort zu beschützen. Nur knapp entkam er dem Tod – bis ihn die Amerikaner 1945 befreiten. Von nun an war das Hören von Swing-Musik legal. Coco Schumann empfand sein persönliches Überleben auch als einen Sieg über den NS-Staat. Er hatte den Plan Hitlers, alle Juden Europas ermorden zu lassen, durchkreuzt.

 

 


Ausstellung „Gegenwelten – Swing in Hamburg...Hans Liebelt und die Weiße Rose, Coco Schumann und die Ghetto-Swingers"

Am 29. Mai 2018 wurde die Ausstellung „Gegenwelten – Swing in Hamburg...Hans Leipelt und die Weiße Rose, Coco Schumann und die „Ghetto-Swingers" im Lichthof der Staatsbibliothek der Universität Hamburg eröffnet.

Die Idee zur Ausstellung, sowie die Kuratierung und Organisation wurde von Angela Bottin vorgenommen, die umfangreich über die Weiße Rose Hamburg und den deutschen Widerstand insgesamt, insbesondere zu Hans Leipelt und dessen Umfeld geforscht und publiziert hat und als eine anerkannte wissenschaftliche Kapazität auf diesem Gebiet gilt.

In der Ausstellung wurde eine Auswahl von Originalen der Graphic-Novel „I got Rhythm" präsentiert, die das Leben des Jazzgitarristen Coco Schumann erzählt. Die Aquarelle versinnbildlichen die Atmosphäre im Berlin der 1930er und 1940er Jahre, in der die sogenannte „Swing-Jugend" (eine Bezeichnung, die ihr von den gegen sie ermittelnden Polizeibehörden gegeben wurde) in der Illegalität ihre „Gegenwelt" eingerichtet hat, deren Formen im Hamburg derselben Jahre ganz ähnlich beschaffen waren.

Anlässlich der Ausstellung gab der Musiker Tornado Rosenberg mit seiner Band ein Konzert. Er selbst stammt aus einer Familie von Holocaustüberlebenden.

Die Staatsbibliothek sorgte für eine hervorragende Organisation, ein besonderer Dank gilt Frau PD Dr. Monika Müller, der Direktorin der Handschriftensammlung der Staatsbibliothek für die perfekte Organisation und die große Offenheit für das Projekt, sowie dem Chefrestaurator der Hamburger Staatsbibliothek Jan Op de Hipt für die großartige Präsentation der Aquarelle in der Ausstellung.

 

 

                                   © Universität Hamburg

https://blog.sub.uni-hamburg.de/?p=24974

Hamburger Staatsbibliothek 2018.
Hamburger Staatsbibliothek 2018.

NEXT Comicfestival Linz 2016

Die Graphic Novel „I got Rhythm" wurde 2016 auf dem Comicfestival NEXT in Linz präsentiert und eine Auswahl der Originale wurde ausgestellt. Oben: Ansichten der Ausstellungen des Festivals.

 


MDR Magazin „Figaro"

© mdr
© mdr

Bericht über „I got Rhythm" im mdr / Magazin „Figaro". Ein Beitrag des Journalisten Wolfgang Schilling.

© mdr 2014

https://vimeo.com/96574295


Buchpremiere im Kulturkaufhaus Dussmann, Berlin

9. Mai 2014: Präsentation der Graphic Novel „I got Rhythm" im Kulturkaufhaus Dussmann in der Berliner Friedrichstraße. Bei der Premiere erzählt Coco Schumann aus seinem Leben und beantwortet die Fragen von Caroline Gille und Niels Schröder. 


Jüdische Allgemeine

Bericht in der „Jüdischen Allgemeinen" zum Erscheinen des Buches.

„He´s got Rhythm" – Bericht zum 90. Geburtstag von Coco Schumann, zur Person

des Musikers und dem anlässlich seines Geburtstages erschienenen Buches.

Autorin: Christine Schmitt. Jüdische Allgemeine, 5. 5. 2014.

 

https://www.juedische-allgemeine.de/unsere-woche/hes-got-rhythm/


Buchvorstellung 3sat-Kulturmagazin
Buchvorstellung 3sat-Kulturmagazin
Bericht zur Veröffentlichung der Graphic Novel in der B.Z.
Bericht zur Veröffentlichung der Graphic Novel in der B.Z.

taz: Ankündigung der Buchpremiere bei Dussmann.
taz: Ankündigung der Buchpremiere bei Dussmann.
Bericht in der Berliner Morgenpost zum Erscheinungstermin.
Bericht in der Berliner Morgenpost zum Erscheinungstermin.


© Dresdner Nachrichten / Michael Ernst
© Dresdner Nachrichten / Michael Ernst

Michael Ernst über „I got Rhythm"

in den „Dresdner Neueste Nachrichten“ vom 29.07.2014:

 

Als Musiker hat er Weltruhm erlangt. Als Musiker, der im KZ gesessen hat, grenzt das lange Leben des im Mai 1924 als Heinz Jakob Schumannin Berlin geborenen Gitarristen an ein Wunder. Er wuchs in einer assimilierten christlich-jüdischen Familie auf, unter den Nazis galt er damit als "Mischling ersten Grades". Schon als Schulkind wurde er deswegen ausgegrenzt. Seine zweite "Besonderheit" war die Leidenschaft für die Musik. Wenn er zur Gitarre griff, verschmolzen der Swing eines Django Reinhardt mit dem der jüdischen Musik. Ein weiteres Vorbild für den Heranwachsenden war der Boxer Max Schmeling. Schumann trainierte in einem jüdischen Boxclub, das sollte ihm später bei manch unliebsamer Begegnung auf den Straßen der "Reichshauptstadt" hilfreich sein.

Zu seinem 90. Geburtstag ist dem zeitlebens äußerst umtriebig gebliebenen Naturtalent die eigene Vita auf den Gabentisch gelegt worden, als Graphic Novel. Darin lesen sich die verstörenden Fakten seines immer wieder von schlimmsten Bedrohungen umgebenen Lebens wie eine Kette spannender Abenteuer. Wären sie nur nicht so real gewesen, man könnte das bunte Buch "I got Rhythm" glatt als Comic abtun. Hier aber reiht sich eins ans andere: Das Kennenlernen mit dem Geiger Helmut Zacharias 1939 in der Berliner Melody Bar, bald darauf eine französische Freundin, die ihm den späteren Künstlernamen verpasst, weil sie das deutsche "Heinz" nicht aussprechen kann - zwei Begegnungen mit lebenslangen Folgen. Die wachsenden Erfolge als Musiker und rasch auch im Film machen Schumann leichtsinnig, er spielt jeden Tag, als ob es der letzte wäre. Nach der "Wannseekonferenz" wird der Musiker nach Theresienstadtdeportiert, dort darf er im sogenannten "Vorzeigelager" das spielen, was im restlichen "Reich" verboten ist: Swing! Einer seiner Auftritte mit der lagereigenen Bigband "Ghetto-Swingers" ist im berühmt-berüchtigten Dokumentarfilm "Der Führer schenkt den Juden eine Stadt" des 1944 in Auschwitz ermordeten Kurt Gerron festgehalten.

Das bewahrt ihn nicht vor dem Transport ins VernichtungslagerAuschwitz, in dem er einigen Berliner Freunden wiederbegegnet. Nur mit reichlich Glück (und Musik) überlebt Schumann KZ und spätere Todesmärsche. In Süddeutschland wird er von den Amerikanern befreit, kommt im Sommer '45 zurück ins zerstörte Berlin, trifft Helmut Zacharias wieder, begleitet Anfang '46 Marlene Dietrich in Berlin - und präpariert seine Gitarre "mit alten Magneten und etwas Stearin" zur E-Gitarre; "es ist der Sound der Zukunft". Im Sommer 1947 wird derTimmendorfer Strand bespielt - und Coco Schumann erschrickt bei einigen Gesichtern der neuen Reichen, die sich schon wieder Urlaube leisten können, weil er deren Physiognomien zu kennen vermeint. Nur haben sie jetzt keine Nazi-Uniformen mehr an.

Die Restaurierung der frisch mit alten Bonzen gegründeten Bundesrepublik stinkt ihn gewaltig an. Im Herbst 1950 geht er mit seiner Familie nach Australien. Helmut Zacharias, während der Nazi-Ära Funker bei der Luftwaffe, kann diesen Schritt nicht verstehen: "Es läuft doch gerade alles wie am Schnürchen!"

1954 erfolgt die Rückkehr nach Berlin - und von da aus geht es in die Welt. Coco musiziert mit Dizzie Gillespie, Louis Armstrong, Ella Fitzgerald, begleitet Willy Brandt auf Wahlkampftour, tourt auf Kreuzfahrtschiffen rund um den Globus - um sich 1975 dann endgültig in Berlin niederzulassen. Hier hat er das Coco Schumann Quartett gegründet, hier ist er alt geworden, hier lebt er noch heute. 1993 gab es ein Wiedersehen mit und in Auschwitz. Der Anlass war ein Dokumentarfilm über sein Leben. Der Zeichner Niels Schröder und die Texterin Caroline Gille haben aus diesem Leben nun eine Bilderfolge mit Sprechblasen gefertigt - womöglich vermittelt die farbige Leichtigkeit das Grauen und Hoffen dieses besonderen Lebenskünstlers viel eindringlicher als so manche bierernste Biografie. In Strich und Text werden Geschichten, wird Geschichte erzählt; lebensnah, ohne jeden Versuch des Verharmlosens.

 

https://www.dnn.de/Nachrichten/Kultur/Regional/Coco-Schumanns-Biografie-in-Bildern

 


Fernsehberichte: 

Film von Andrea Roth über das Leben von Coco Schumann mit dem Titel „Musik als Flucht", in dem auch die Graphic-Novel vorgestellt und die Autorin und der Zeichner vorgestellt wurden.

Bayerischer Rundfunk / ARD 2014.

Der RBB berichtete im 

Magazin zibb anlässlich des

Geburtstages von Coco Schumann. Berichtet wurde auch über die Graphic Novel. Der Schaffensprozess wurde erläutert und es gab ein Interview mit Autorin und Zeichner.

 

Hier geht es zum Bericht im Magazin „ZIBB" des RBB:

https://vimeo.com/96718086


© RBB 2014
© RBB 2014

asta der Universität Hamburg

 

Am 28. Mai 2018 wurde im historischen Lichthof der Staatsbibliothek der Universität Hamburg die Ausstellung„Gegenwelten – Swing in Hamburg...Hans Leipelt und die Weiße Rose, Coco Schumann und die „Ghetto-Swingers" eröffnet. Initiatorin und Organisatorin war Angela Bottin, Juristin und eine der renommiertesten Kennerinnen der „Weißen Rose", sowie der „Hamburger Weißen Rose" und des Widerstandskämpfers Hans Leipelt insbesondere. In der Ausstellung wurden die Originalzeichnungen der Graphic Novel „I got Rhythm" präsentiert. Maßgeblich beteiligt war als Förderer und Mitorganisator der asta der Universität Hamburg.

© asta hamburg
© asta hamburg